TikTok: Ein Hype ohne Datenschutz

https://www.facebook.com/alngermany/

Die Jugend von heute hat vor allem eines: Geltungsdrang. Um den eigenen Beliebtheitsgrad zu fördern, müssen immer neue Apps her. Nach Facebook und Instagram wird nun die Hype-App TikTok genutzt, um möglichst cool zu sein – Grund genug, die Datenschutzrisiken dieser App genauer zu betrachten.

TikTok – nie gehört?

Sollten Sie bei TikTok ratlos mit den Schultern zucken, so sei Ihnen verziehen: Die Leserinnen und Leser unseres Blogs gehören mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht zur Zielgruppe dieser App. TikTok richtet sich an Kinder und Jugendliche, also an Anwender, die kaum bis gar keine datenschutzrechtlichen Bedenken hegen.

Die App selbst ist schnell erklärt: Auf dieser können Playback-Videoaufnahmen erstellt und mit der Community geteilt werden. Karaoke war gestern, heute werden eigene Musikclips erstellt und mittels dem in der App eingebauten sozialen Netzwerk verbreitet. Neben der App kann auch die TikTok-Website genutzt werden, um die Welt vom eigenen Schauspieltalent zu überzeugen.

Vom Betreiber der TikTok-App, dem Technologiekonzern ByteDance, dürften Sie vermutlich noch nie gehört haben. Dieser hat seinen Sitz – Trommelwirbel – in China. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Bye Bye, Kinderdatenschutz?

Die Schwächsten unserer Gesellschaft gilt es zu schützen. Was heldenhaft klingen mag, erfordert in der Praxis weder Ross noch Reiter, sondern vor allem Aufklärung. Kinder, Jugendliche und deren Eltern sind darüber zu informieren, welche datenschutzrechtlichen Probleme die App TikTok bereitet.

Bei der erstmaligen Nutzung – Einwilligung?

Probleme tauchen bereits bei der erstmaligen Nutzung der App auf: Die Sammlung zahlreicher Nutzer- und Hintergrunddaten erfordert die wirksame Einwilligung des Nutzers nach Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. a, 7 DSGVO. Viele Möchtegern-Playback-Sängerinnen und -Sänger sind aber zu jung, um selbst wirksam einwilligen zu können. TikTok hält hierfür eine (vermeintliche) Lösung parat: TikTok ist ab 13 Jahren erlaubt, sofern die Eltern einwilligen.

Kennen Sie einen pubertierenden Teenager, der seine Eltern fragt, ob er eine App verwenden und Videoaufnahmen darauf teilen darf? Nein? Ich auch nicht.

Was, wenn sich noch jüngere Kinder unter Angabe eines falschen Geburtsdatums bei TikTok anmelden? Eine Alterskontrolle findet nicht statt und ist auch kaum möglich. Dabei sind es doch gerade Kinder, die die Folgen ihres Tuns nicht abschätzen können!

TikTok, die Datenkrake?

Wer Datenkraken im Zoo sucht, bei dem ist Hopfen und Malz verloren. Diese nicht gerade seltenen Tierchen treten vielmehr in der freien (Internet-)Wildbahn auf. Auch wenn Facebook, Google und Amazon zu den bekanntesten Vertretern ihrer Art zählen, gibt es noch weitere, zwar auf den ersten Blick unscheinbare, aber nicht minder gefährliche Datensammler.

TikTok zeigt sich dabei besonders gefräßig. Verarbeitet werden gemäß der Datenschutzerklärung TikToks folgende Daten:

  • Kontaktdaten, wie Name, Benutzername, E-Mail-Adresse und Telefonnummer,
  • technische Daten wie Geräteinformationen, Geräteidentifizierungsmerkmale, Gerätemodell, Betriebssystem, Zeitzonen-, Sprachauswahl und andere lokale Einstellungen,
  • IP-Adresse,
  • Browserverlauf,
  • Mobilfunkanbieter,
  • Informationen zur Nutzung von TikTok (z.B. Kommentare und Likes, die man auf TikTok hinterlässt, hochgeladene Videos/Bilder)
  • Kommunikationspräferenzen,
  • Inhalte gesendeter Nachrichten und deren Empfänger,
  • sowie Daten aus anderen sozialen Netzwerken oder öffentlichen Forenkonten (z.B. öffentliche Profilinformationen, Freundesliste, Login-Daten).

Anhand dieser Daten lassen sich umfassende Persönlichkeitsprofile erstellen. Wofür? Na, für ein Werbeerlebnis der Extraklasse! Und wie bei allen scheinbar kostenfreien Social-Media-Angeboten gibt es auf dem Pausenhof kein Halten mehr, denn einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul…

Publicity um jeden Preis?

Das TikTok-Konto ist zunächst auf öffentlich gestellt. Wer dies nicht möchte, muss die Einstellungen ändern. Dies kostet zum einen Überwindung – bei einem privaten Konto rückt der Ruhm in weite Ferne. Zum anderen ist vielen Kindern und Jugendlichen nicht bewusst, welche Reichweite ihre Daten bei einem öffentlichen Konto erreichen. Was als Spaß begann, kann tragisch enden: Mobbing zum Beispiel. Möglicherweise verfolgt einem das Video sein Leben lang. Doch warum an die Zukunft denken? Chill mal, Digga!

Was passiert mit den Daten?

Gemäß TikToks Datenschutzerklärung werden die personenbezogenen Daten unter anderem weitergegeben an:

„unsere Geschäftspartner, damit wir Ihnen über unsere Dienste besondere Angebote machen können;

in Bezug auf unsere On-Screen-Werbung unsere Werbekunden und Werbenetzwerke, die diese Daten benötigen, um für Sie und andere Werbeanzeigen auszuwählen und anzuzeigen. Wir werden Ihre Kontaktdaten nicht an unsere Geschäftspartner weitergeben, so dass Sie nicht direkt von diesen kontaktiert werden, aber wir werden andere Daten weitergeben, damit sie Ihnen auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittene Angebote machen können;

unsere Dienstleister und Unterauftragnehmer, die uns beim Betreiben der Dienste unterstützen;

oder Analyse- und Suchmaschinenanbieter, die uns bei der Verbesserung und Optimierung der Dienste helfen.“

Etwas skurril wirkt der Satz, die Daten könnten an Unternehmen weitergegeben werden,

„die wir beherrschen, von denen wir beherrscht werden oder die unter gemeinsamer Beherrschung stehen…“.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber bei einer an Jugendliche und Kinder gerichteten App möchte ich von einem Beherrschen nichts lesen. Sicher, die Übersetzung aus dem Englischen ist nicht ganz geglückt – der erste Eindruck aber bleibt, denn hinter TikTok steckt China!

Im Reich der Mitte ist Datenschutz bekanntermaßen ein Fremdwort. Da mag China noch so sehr versichern, die persönlichen Nutzerdaten würden nun sicher in den USA gespeichert, die Software-Entwicklung zu TikTok sei vom übrigen Geschäft des Konzerns getrennt – wer’s glaubt.

Diskriminierung und Zensur

TikTok steht häufiger in der Kritik, nicht nur aus datenschutzrechtlicher Sicht. Fakt ist, dass TikTok – zumindest in der Vergangenheit – Videos Behinderter in ihrer Reichweite beschränkt und homosexuell erscheinende Inhalte blockiert hatte. Videoaufnahmen mit unerwünschter politischer Aussage werden ebenfalls zensiert.

Absurd: Das von einem chinesischen Entwickler stammende TikTok ist in China verboten! Dort gibt es stattdessen „Douyin“ – staatliche Überwachung inklusive.

Recht auf Vergessenwerden: Nur in den Grenzen der EU

Wooden judges gavel on a law book

Der Generalanwalt des EuGH Szpunar ist der Auffassung, dass ein Betreiber von Suchmaschinen wie Google nicht verpflichtet ist, für eine weltweite Entfernung von Links zu sorgen, sondern dass die Entfernung von Links, die durch den Suchmaschinenbetreiber vorzunehmen ist, auf das Gebiet der EU zu begrenzen ist. Bislang war strittig, wie weit die geografische Reichweite der Löschpflicht gehen sollte.

Seit fünf Jahren gibt es das Recht auf Vergessenwerden, wonach Personen Google-Einträge löschen lassen können. Jetzt sagt der EuGH, dass dieses Recht Grenzen hat, nämlich die der EU. Das Europarecht zwinge Google daher nicht zum weltweiten Löschen. Doch es verbietet den Mitgliedstaaten eine solche Entscheidung auch nicht. Eine salomonische Entscheidung, die der EuGH da mit Blick auf andere autoritäre Regime getroffen hat.

Google muss seine Suchergebnisse nicht weltweit löschen, wenn ein EU-Bürger sein Recht auf Vergessenwerden geltend macht. Das hat am Dienstag der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden (Urt. v. 24.09.2019, Az. C-507/17). Die Löschpflicht erstrecke sich grundsätzlich nur auf alle Staaten innerhalb der EU. Bezogen auf diese muss Google aber dafür sorgen, dass die Internetnutzer davon abgehalten werden, von einem Mitgliedstaat aus auf die entsprechenden Links in Nicht-EU-Versionen der Suchmaschine zuzugreifen. Damit ist letztlich das sog. „Geoblocking“ gemeint.

Allerdings lässt der EuGH noch ein Schlupfloch für die weltweite Löschung offen: Zwar schreibe das EU-Recht keine weltweite Löschung vor, doch verbiete es dies auch nicht. Daher könnten die Behörden eines Mitgliedstaats, sofern sie das Persönlichkeitsrecht mit dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit angemessen abwägen, nach nationalem Recht eine weltweite Löschung erzwingen.

Wooden judges gavel on a law book

1&1 muss 9,5 Mio. zahlen

Figure of Justice holding the scales of justice

Bußgeld wegen Datenschutzverstoß

Anrufer konnten bei der 1&1-Kundenbetreuung allein schon durch Angabe des Namens und Geburtsdatums eines Kunden weitreichende Informationen zu weiteren personenbezogenen Kundendaten erhalten. Der BfDI sah darin einen DSGVO-Verstoß und verhängte ein Bußgeld von 9,55 Millionen Euro. Die 1&1 Telecom GmbH wird den gegen sie erlassenen Bußgeldbescheid nicht akzeptieren und dagegen klagen.

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) hat den Telekommunikationsdienstleister 1&1 Telecom GmbH mit einer Geldbuße in Höhe von 9,55 Millionen Euro belegt.

Das Unternehmen habe keine hinreichenden technisch-organisatorischen Maßnahmen ergriffen, um zu verhindern, dass Unberechtigte bei der telefonischen Kundenbetreuung Auskünfte zu Kundendaten erhalten können. In einem weiteren Fall sprach der BfDI ein Bußgeld in Höhe von 10.000 Euro gegen die Rapidata GmbH aus. 

Figure of Justice holding the scales of justice

Kunjunkturaussichten

Diese Branchen verlieren – und diese gewinnen

Die Deutschen shoppen, reisen, bauen – und die Konjunktur erweist sich dank konsumfreudiger Verbraucher als überraschend robust.
Trotzdem wird 2020 für viele Branchen schwierig.

Überblick: Was Auto, Bau, Handel und die Finanzindustrie erwarten

Die Schwarzseher sind vorerst eines Besseren belehrt worden. Denn anders als es viele vorausgesagt haben, ist die deutsche Wirtschaft zuletzt – wenn auch schwach – gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs nach Angaben der Statistiker zwischen Juli und September um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.Anzeige

Im zweiten Quartal war das BIP noch um 0,2 Prozent geschrumpft. Nach zwei Minus-Quartalen in Folge sprechen Ökonomen von einer Rezession – doch so weit kam es nun nicht. “Wir haben keine technische Rezession, aber die Wachstumszahlen sind noch zu schwach”, sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier in der ARD.

Positive Impulse kamen im Sommer vor allem vom Konsum. “Die privaten Ausgaben waren höher als im zweiten Quartal 2019, und auch der Staat steigerte seine Konsumausgaben”, erklärten die Statistiker. Außerdem legten die Exporte zu, während die Importe in etwa auf dem Niveau des Vorquartals verharrten. Außerdem wurde mehr in Bauten investiert. Dagegen sanken die Investitionen in Ausrüstungen wie Maschinen.

Kein Grund zur Entwarnung

“Die deutsche Volkswirtschaft ist noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen”, sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. “Doch es gibt drei Gründe, sich nicht beruhigt und zufrieden zurückzulehnen: die Wirtschaft leidet unter einem Investitions- und Reformstau, die Konjunktur unter der enormen globalen, politischen Unsicherheit. Deutschlands Paradebranche – die Automobilindustrie – läuft nicht mehr rund.”

Die aktuellen Probleme werden die Unternehmen auch im kommenden Jahr in Atem halten. Handelskonflikte, schwächere Weltkonjunktur und Brexit-Chaos setzen speziell den Exporteuren zu. Und der zu erwartende Arbeitsplatzabbau in zentralen Branchen könnte am Ende auf den Konsum durchschlagen.

Unter der Flaute in der Industrie leiden inzwischen auch viele unternehmensnahe Dienstleister, etwa die Logistikbranche. Die Wirtschaftsweisen sagen Europas größter Volkswirtschaft in diesem Jahr ein Wachstum von 0,5 Prozent voraus. 2020 soll es zu einer Beschleunigung auf 0,9 Prozent kommen, allerdings nur aufgrund der höheren Anzahl an Arbeitstagen.

Wie ist die Lage und wie sind die Aussichten in den einzelnen Branchen? Wo die Geschäfte gut laufen – und wo Brexit, wachsender Protektionismus oder auch die Klimadiskussion Spuren hinterlassen, zeigt der Überblick

Automobil: In der Automobilbranche hat für Hersteller und Zulieferer der Kampf um die Existenz begonnen. Mit Fusionen und vor allem Kooperationen versuchen sich Volkswagen, Daimler und Co. für eine Zukunft zu wappnen, die durch den Umstieg vom Verbrennungsmotor auf den Elektroantrieb, das (teil)autonome Fahren und die Digitalisierung gekennzeichnet sein wird. Die drohenden Strafzölle für Exporte in die USA machen die Sache dabei nicht einfacher. 2020 könnte für die deutschen Autobauer zum Schicksalsjahr werden. 

Milliarden-Betrug mit falscher Kryptowährung

Die bulgarische „OneCoin“-Erfinderin Ruja Ignatova hat Anleger wohl um 4 Milliarden Dollar gebracht – danach ist die „Krypto-Königin“ verschwunden.

Der bislang wohl größte Betrugsfall mit einer angeblichen Kryptowährung namens „Onecoin“ ist aufgeflogen und ein Mittäter, der Bruder der Gründerin, ist geständig. Hunderttausende Anleger könnten durch die angebliche Kryptowährung, die Investoren schnellen Reichtum versprach, nach Ansicht von Ermittlern mehr als 4 Milliarden Dollar verloren haben. Zumindest ist unbekannt, wo das Geld geblieben ist.

Mutmaßliche Haupttäterin soll die Bulgarin Ruja Ignatova sein, die als hochintelligente, elegante Erfinderin von Onecoin in London und anderswo große Versprechen machte. Onecoin werde der „Bitcoin-Killer“ werden, schneller wachsen und besser sein. Medien bezeichneten sie als „Krypto-Königin“, manchmal trat sie mit Diamanten geschmückt auf. Angeblich soll sie Hunderttausende oder gar Millionen Menschen um ihr Geld gebracht haben.

Unternehmen mit Mafia-Beziehungen

Konstantin Ignatov, ihr bulgarisch-deutscher Bruder, hat gegenüber amerikanischen FBI-Ermittlern in New York mehrere Delikte zugegeben, darunter Geldwäsche und Betrug, wie die Investigativseite „Inner City Press“ berichtet hat. In Großbritannien, wo viele Anleger geprellt wurden, hat die BBC eine große Podcast-Serie über die Machenschaften der angeblichen Kryptocoin-Erfinderin veröffentlicht, die auch mit der bulgarischen Mafia in Verbindung gebracht wird.

Noch immer besteht eine Internetseite, auf der Onecoin wirbt mit Sprüchen wie: „Werde Teil der finanziellen Revolution“. Onecoin sei „die erste transparente, globale Kryptowährung für Jedermann“. Das angebliche digitale Geld versprach nicht nur hohe Renditen für Investoren, sondern werde auch helfen, dass Millionen von Menschen in unterentwickelten Ländern Afrikas und Asiens Zugang zu finanziellen Dienstleistungen bekommen.

Onecoin war und ist in Wirklichkeit gar keine Kryptowährung, die auf der Blockchain-Technologie beruht, sondern ein eher simples Pyramidenspiel: Die ersten Anleger konnten hohe Gewinne machen, wenn immer mehr Anleger Geld in den Topf warfen, doch am Ende stehen hohe Verluste. Man spricht im englischen Sprachraum von einem „Ponzi Scheme“, in Deutschland von einem Schneeballsystem. Solche Methoden sind betrügerisch. Auf der Website verneint Onecoin jegliche illegale Aktivität.

Möglicher Schaden von 4 Milliarden Dollar

Die in Deutschland und Oxford ausgebildete Bulgarin Dr. Ruja Ignatova, etwa 38 Jahre alt, hatte die Firma Onecoin 2014 in ihrem Heimatland gegründet und seitdem fleißig die Werbetrommel gerührt. Sie bezeichnete sich als „Visionärin“. 2015 sprach sie auf einer Konferenz in Sofia, die die Zeitschrift „The Economist“ organisiert hatte. Sie beeindruckte Anleger mit ihrem sicheren, eleganten Auftreten und dem Versprechen, ein innovatives, einfaches und sicheres Zahlungsmittel geschaffen zu haben. Ihr Bruder Konstantin Ignatov half ihr im Unternehmen. Nach eigenen Angaben arbeitete er zuvor in Deutschland in einem Hundeheim, bevor ihn seine Schwester zu Onecoin holte. 2016 trat Ignatova in der Wembley Arena in London vor einer großen Zuhörerschaft auf und gewann weitere Investoren, die auf hohe Renditen hofften. Andere Auftritte gab es in Amerika und Asien, etwa in Bangkok.

Im Jahr 2017 soll Onecoin mehr als 4 Milliarden Dollar von Investoren aus aller Welt eingesammelt haben, davon etwa 100 Millionen Pfund von britischen Staatsbürgern. Unter diesen war auch die BBC-Journalistin Georgia Catt, die Ersparnisse von 70.000 Pfund für Onecoin ausgab. In China haben Ermittler im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit Onecoin Anklage gegen 98 Personen erhoben und 268 Millionen Dollar sichergestellt. Auch in Indien gab es schon vorher Verhaftungen.

In Afrika sammelten Onecoin-Leute Geld ein. Dort wurde der schnelle Gewinn mit Rap-Videos beworben, in denen Menschen mit teuren Mercedes-Limousinen herumfuhren. Schnellen Gewinn machten die Onecoin-Gründerin offenbar selbst: Bilder zeigen sie auf ihrer Yacht im Mittelmeer, auf der sie gerne herumfuhr. Die Server von Onecoin sollen in Bulgarien und in Hongkong stehen.

Respektvolle Werbung

Werbeanzeigen können aufdringlich für Konsumenten und kostspielig für Marken sein – hier einige Vorschläge, wie man dies ändern, und beide Seiten zufrieden stellen kann.

Internetnutzer, die einen Adblocker installiert haben, fühlen sich schon von Bannern gestört. Statt sich dementsprechend etwas anderes einfallen zu lassen, was dem entgegenwirkt, hat die Branche darauf mit noch größeren und aufdringlicheren Formaten reagiert. Es stellt sich die Frage, warum das so ist. Alternativen gibt es schon heute. Beispielsweise in Form von Native Advertising, wovon User, Advertiser und Publisher gleichermaßen profitieren – aber viele sind noch davon überzeugt, dass aggressive Werbung funktioniert. Warum das eine Fehleinschätzung ist, erläutert Ari Lewine, Co Founder und Chief Strategy Officer bei TripleLift, der weltweit größten In Feed Native Advertising Plattform.

Eye Tracking lieferte überraschende Ergebnisse

Eye Tracking liefert sehr gute Erkenntnisse darüber, wie Werbung wahrgenommen wirdDiese Methode liefert in Echtzeit Informationen darüber, welche Elemente einer Website der Nutzer betrachtet. 69 Prozent der User, die bei einem Video vorab eine „Skippable Pre Roll Ad“ präsentiert bekommen, schauen sofort auf den Skip Button. 

Die Aufmerksamkeit gilt somit weder der Marke noch ihrer Message. Aber nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern auch Emotionen, die sogenannten „Micro Expressions“, kann man messen. Diese lassen Rückschlüsse darauf zu, wie wir Dinge empfinden. Bei der Anwendung dieses „Emotional Trackings“ auf Skippable Pre Roll Ads haben wir in einer Untersuchung festgestellt, dass User zunächst betrübt beziehungsweise unglücklich waren. Erst nach 3,5 Sekunden schwenkte das Gefühl hin zu Freude, ganz knapp bevor es möglich wurde, die Anzeige zu überspringen. 

Wenn es die Möglichkeit gibt, eine Anzeige zu überspringen, wer würde das nicht tun? Wer schaut freiwillig Werbung? Auf der Suche nach einer möglichen Zielgruppe, haben wir uns demografische Daten näher angesehen. Das Einzige, was wir finden konnten: 57 Prozent aller Menschen, die über 55 Jahre alt sind, sehen sich die Werbung trotz Skip-Möglichkeit an.

Darüber hinaus stehen Video Anzeigen vor einer weiteren Problematik. Beim Eye Tracking ließ sich erkennen, dass sich die Nutzer intensiv mit dem Inhalt einer Website auseinandersetzen, die Video Anzeige inmitten eines Feeds komplett ignorieren und einfach darunter weiterlesen. Das heißt selbst, wenn die Anzeige sich im Mittelpunkt der Seite befindet und eigentlich schwer zu ignorieren ist, wird ihr keinerlei Aufmerksamkeit gewidmet. Dieses Phänomen nennt sich Banner Blindness

Der Begriff Bannerblindheit ist bereits über 60.000 Mal in der akademischen Forschung aufgetaucht, teilweise auch in Form von umfangreichen Studien. Außerdem hat es 36 Publikationen von Forschungsarbeiten in der akademischen Welt gegeben, in denen Bannerblindheit erwähnt wurde. Als wir Präsentationen von Events in der Ad Tech Industry durchgegangen sind, die diese Thematik vor allem betrifft, konnten wir jedoch nicht eine einzige Erwähnung finden.

Marketing Business im Wandel

Um zu verstehen, welche Auswirkungen diese zunehmende Bannerblindheit mit sich bringt, fassen wir mal das Geschäftsmodell von Online Advertising zusammen: Marken investieren Marketingbudget bei Medien, damit diese Werbung an die Konsumenten ausspielen. Diese werden auf die Brand aufmerksam und kaufen idealerweise die Produkte oder nehmen die Dienstleistungen in Anspruch. 

Dieses Geschäftsmodell befindet sich im Wandel. Klassisches Display und Video Advertising ist nicht mehr erfolgreich genug – es wird nicht genug Aufmerksamkeit generiert, die Klick Raten und die Sichtbarkeit sind zu niedrig, die Verweildauer ist nicht hoch genug. Publisher versuchen das Problem zu lösen, indem sie auf noch größere Anzeigenformate setzen, die die Klicks nach oben treiben und die Aufmerksamkeit des Nutzers auf sich ziehen sollen. 

Aber diese aufdringlichen Werbeanzeigen gehen auf Kosten sowohl des Publishers, als auch des Konsumenten. Es ist an der Zeit für ein völlig neues Geschäftsmodell. Anstatt die Marke in den Vordergrund zu stellen, was sich im ersten Moment vielleicht richtig anfühlt, da sie ja für die Werbung bezahlt, sollte der Mensch im Fokus stehen. Und ja, wir meinen Menschen, nicht Konsumenten, weil das implizieren würde, dass wir alle “herumlaufende Goldesel” sind, ohne Gefühle und Bedürfnisse. Der Anspruch sollte sein, respektvolle Werbung für den Menschen zu gestalten.

In der Regel mögen Menschen keine Werbeanzeigen. Doch wenn ihnen nahegebracht wird, dass dies der Preis ist, den wir dafür zahlen, das Internet nutzen zu können ohne für jeden Websiteinhalt einzeln zu bezahlen, ist dieses Geben und Nehmen nachvollziehbar. 

Wie sollte Werbung sein?

Bei der Frage, wie Werbeanzeigen gestaltet werden sollen, damit sie ansprechender sind, hört man Antworten wie: leicht überspringbar, elegant, nicht aufdringlich und harmonisch eingebettet. Respektvolle Werbeanzeigen passen sich ihrer Umgebung optisch an und stören Nutzer nicht beim Konsumieren des Website-Inhaltes. Idealerweise befindet sich hinter der Anzeige keine plumpe Kaufaufforderung, sondern im Kontext thematisch passender, hochwertiger Content, der gleichzeitig relevant ist, zum Beispiel in Form eines informativen Artikels. 

Solche Anzeigen werden letztlich mit höherem Engagement belohnt, da sie an die Bedürfnisse des Nutzers angepasst sind. Daraus entsteht ein neuer Kreislauf. Im Idealfall widmet der User der Anzeige mehr Aufmerksamkeit und die Marke investiert mehr beim Publisher. Der wiederum erklärt sich bereit, auf aufdringliche Anzeigen zu verzichten und stattdessen “Respectful Ads” auszuspielen. Bei diesem Modell gewinnt jeder. teilenteilenteilen