Homeoffice-Strafsteuer: Danke für nichts, Deutsche Bank!

Wie absurd ist das denn?

Wer auch nach der Corona-Krise lieber im Homeoffice arbeitet, soll dafür extra Steuern zahlen, findet die Deutsche Bank. Ein Analyst beschreibt, wie sich das rechnet und warum es gerecht ist. Was kommt als Nächstes? Eine Fernsehsteuer?

Heimarbeiter belasten die Gesellschaft – das meint ein Deutsche-Bank-Ökonom und schlägt eine Homeoffice-Steuer vor.

Für Homeoffice-Arbeitende ist das wohl die Nachricht der Woche: Die Deutsche Bank schlägt eine Homeoffice-Steuer vor. Genau genommen eine Strafsteuer, die Homeoffice-Arbeitende zahlen sollen. Der Grund laut Deutsche-Bank-Ökonom Luke Templeman: Menschen, die von zu Hause arbeiten, würden quasi kein Geld mehr in den Umlauf bringen. Keine Busse mehr fahren, keine Coffee-to-go mehr kaufen und auch kein Lunch beim Italiener um die Ecke mehr schlemmen. Homeoffice-Arbeitende zahlen laut dem Fachmann nicht mehr so in die Gesellschaft ein wie noch zuvor, profitieren bei Bedarf aber trotzdem von einer Infrastruktur, die sie selber nicht mehr tragen. Im Homeoffice ist das Leben einfach richtig schön billig. So in etwa die Argumentation.

Kommentar unsere Autors:

Einen satten Betrag von 7,50 Euro pro Arbeitstag soll ich künftig abdrücken. Für meinen Wohn- und Arbeitsort, hieße das: Bei 254 Arbeitstagen in 2020 müsste ich 1.905 Euro in diesem Jahr nachbezahlen. Darauf noch die Nebenkosten der Wohnung. Darauf trotzdem noch Verpflegung, denn auch wenn ich nicht mehr täglich gezwungen bin, irgendwo außerhalb Essen zu gehen, so muss ich dennoch essen. Niemand ernährt sich im Homeoffice von E-Mails – schön wär’s!

Was mich und andere vor allem auch ärgert: Dass so ein Vorschlag ausgerechnet von der Bank kommt, die sich schon oft hat retten lassen. Eine Bank, die der Gesellschaft wie kaum eine andere Institution auf der Tasche liegt. Eine Bank, die in fast jeder Krise in den letzten Jahren – ob Immobilienkrise, Bankenkrise, Eurokrise, Griechenlandkrise – stets nur wie ein Brandbeschleuniger gewirkt hat. Die Deutsche Bank müsste Strafsteuern zahlen. Strafsteuern dafür, dass sie die Gesellschaft ständig ohrfeigt!

Die Homeoffice-Strafsteuer ist ein Witz
Ich bin sauer, dass es Menschen gibt, die tatsächlich so etwas vorschlagen. Wie weltfremd sind diese Leute? Ja, die Digitalisierung führt leider auch dazu, dass viele Innenstädte verwaisen. Dass Leute nicht mehr, wie noch vor zehn Jahren, den ganzen Tag durch die Stadt gehen und an jeder Ecke ihr Geld liegen lassen. Amazon hat beispielsweise dazu geführt, dass wir von zu Hause aus shoppen. Aber hieße das im Umkehrschluss, dass jeder Amazon-Nutzer jetzt 7,50 Euro Strafe zahlen sollte, weil er oder sie die Plattform nutzt, um die Weihnachtsgeschenke stressfrei im Internet zu kaufen? Diese Probleme müssen anders gelöst werden. Vielleicht sollte man mal Amazon besteuern. Die ziehen da Milliardengewinne heraus, nicht ich.

Quelle der Nachricht T3N, Photo by Morning Brew on Unsplash

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